Teenager prügelt Obdachlosen fast zu Tode: Neue Wendung im Fall von Ali – Staatsanwaltschaft prüft versuchten Mord
Teenager prügelt Obdachlosen fast zu Tode: Neue Wendung im Fall von Ali – Staatsanwaltschaft prüft versuchten Mord
Der Fall des brutal zusammengeschlagenen Obdachlosen Ali aus Osnabrück sorgt weiterhin für Entsetzen. Wochen nach der grausamen Attacke, bei der der 33-Jährige beinahe sein Leben verlor, gibt es neue Entwicklungen in den Ermittlungen. Während Ali noch immer mit den schweren körperlichen und seelischen Folgen kämpft, prüft die Staatsanwaltschaft inzwischen sogar, ob aus dem bisherigen Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung ein Verfahren wegen versuchten Mordes werden könnte.
Der Angriff hatte sich mitten in der Osnabrücker Innenstadt ereignet und schockierte die Öffentlichkeit besonders wegen seiner Skrupellosigkeit. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen zwei Jugendliche den aus Äthiopien stammenden Mann ohne erkennbaren Anlass attackiert haben. Einer der Tatverdächtigen soll Ali mehrfach geschlagen und getreten haben, während der zweite das Geschehen mit seinem Mobiltelefon filmte.
Besonders erschütternd ist die Schilderung des Opfers selbst. Ali berichtet, er habe den Angriff nicht kommen sehen. Plötzlich seien Schläge und Tritte auf ihn eingeprasselt. Mit jedem weiteren Treffer habe die Angst zugenommen. Während der Misshandlungen sei er überzeugt gewesen, dass er sterben müsse.
Schließlich verlor der 33-Jährige das Bewusstsein. Erst im Krankenhaus kam er wieder zu sich. An viele Details der ersten Tage nach dem Angriff kann er sich bis heute nicht mehr erinnern.
Auch vier Wochen nach der Tat sind die Verletzungen noch deutlich sichtbar. Ali leidet weiterhin unter starken Schmerzen im gesamten Kopfbereich. Sein linkes Auge war über längere Zeit nahezu geschlossen, das Gesicht weist mehrere Brüche auf. Eine tiefe Platzwunde über der Augenbraue musste mit zahlreichen Stichen genäht werden. Noch immer erinnert eine auffällige Narbe an die brutale Gewalt, die er erleben musste.
Neben den körperlichen Verletzungen wiegen vor allem die psychischen Folgen schwer. Menschen aus der afrikanischen Gemeinschaft in Osnabrück berichten, dass Ali seit dem Angriff kaum noch Vertrauen zu anderen Menschen habe. Er ziehe sich immer weiter zurück und verbringe den Großteil seiner Zeit allein.
Ali lebt seit rund neun Jahren in Deutschland. Nach eigenen Angaben arbeitete er früher in Äthiopien als Händler. Heute ist sein Alltag von Armut geprägt. Meist übernachtet er in einer sozialen Unterkunft, manchmal auch im Schlosspark oder an anderen öffentlichen Orten.
Sein gesamter Besitz passt in zwei große Plastiktüten. In einer befinden sich Lebensmittelspenden einer Tafel, in der anderen Kleidung. Mehr besitzt der 33-Jährige nach eigenen Angaben nicht.
Tag für Tag sitzt er unter den Apfelbäumen im Schlossgarten und verbringt viele Stunden allein. Mitglieder der afrikanischen Community beschreiben ihn als ruhigen, freundlichen Menschen, der niemals Streit suche und niemandem etwas zuleide tue.
Ein Bekannter aus der somalischen Gemeinschaft berichtet, er besuche Ali regelmäßig nach der Tat. Er versuche, ihn zu trösten, mit ihm zu sprechen und ihm durch Umarmungen wenigstens etwas menschliche Nähe zu geben. Doch die Angst sitze tief. Seit dem Angriff habe sich Ali deutlich verändert.
Große Empörung löste insbesondere das Video aus, das während der Tat aufgenommen worden sein soll. Dass ein Mensch offenbar schwer verletzt wird, während ein anderer die Szene filmt, sorgte weit über Osnabrück hinaus für Fassungslosigkeit.
Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Aufnahmen durchsuchte die Polizei die Wohnung des mutmaßlichen 18-jährigen Filmers. Die Ermittler hofften, das Mobiltelefon oder weitere Beweismittel sicherstellen zu können.
Nach bisherigen Informationen verlief die Durchsuchung jedoch ohne den erhofften Erfolg. Weder Smartphones noch andere relevante Datenträger konnten sichergestellt werden. Die Ermittlungen konzentrieren sich daher weiterhin auf andere Beweise sowie auf Zeugenaussagen.
Der zweite Tatverdächtige, ein 16-Jähriger aus Moldau, konnte bislang noch nicht vernommen werden. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden befindet er sich derzeit gemeinsam mit seinen Eltern im Urlaub. Eine Durchsuchung oder Befragung konnte deshalb bislang noch nicht stattfinden.
Sobald der Jugendliche nach Deutschland zurückkehrt, sollen die weiteren strafrechtlichen Maßnahmen folgen. Die Ermittler versprechen sich davon wichtige Erkenntnisse über den genauen Ablauf der Tat und die jeweiligen Rollen der Beteiligten.
Nach aktuellem Stand sollen sich Täter und Opfer vor dem Angriff nicht gekannt haben. Hinweise auf einen persönlichen Konflikt oder eine vorherige Auseinandersetzung liegen bislang nicht vor.
Gerade dieser Umstand wirft zahlreiche Fragen auf. Warum wurde ausgerechnet Ali Opfer einer derart brutalen Attacke? Welches Motiv steckte hinter der Gewalt? Bis heute gibt es darauf keine eindeutige Antwort.
Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich inzwischen intensiv mit der juristischen Bewertung des Falls. Aufgrund der massiven Gewalteinwirkung und der lebensgefährlichen Verletzungen wird geprüft, ob die Voraussetzungen für den Vorwurf des versuchten Mordes erfüllt sein könnten.
Sollte es zu einer entsprechenden Neubewertung kommen, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf das weitere Strafverfahren und das mögliche Strafmaß für die Beschuldigten.
Der Fall hat zugleich erneut eine gesellschaftliche Debatte über Gewalt gegen obdachlose Menschen ausgelöst. Hilfsorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass wohnungslose Menschen besonders häufig Opfer körperlicher Übergriffe werden. Viele Taten bleiben jedoch ungeklärt oder werden nie angezeigt.
Menschen ohne festen Wohnsitz gelten häufig als besonders verletzlich. Sie verfügen oftmals über kein stabiles soziales Umfeld, das sie schützen könnte, und werden deshalb leichter zu Opfern willkürlicher Gewalt.
Für Ali steht jedoch derzeit etwas anderes im Mittelpunkt. Er versucht, körperlich wieder gesund zu werden und den Glauben an die Menschen nicht vollständig zu verlieren.
Ob die Ermittlungen letztlich zu einer Anklage wegen versuchten Mordes führen werden, dürfte sich in den kommenden Tagen oder Wochen entscheiden. Bis dahin setzen Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen fort.
Zurück bleibt vor allem eine erschütternde Geschichte über sinnlose Gewalt gegen einen Mann, der nach Aussagen vieler Menschen niemandem etwas getan hatte. Die Hoffnung vieler Unterstützer ist nun, dass der Fall vollständig aufgeklärt wird und Ali nach allem Erlebten zumindest Gerechtigkeit erfährt.